Emotionale Abhängigkeit in Beziehungen

Die Gedanken meines heutigen Blogeintrages drehen sich um das Thema Abhängigkeit in Beziehungen (auch Co-Abhängigkeit). Ich trage diesen Text schon seit letztem Sommer mit mir und habe nun endlich Zeit gehabt, ihn final in Form zu bringen.

Ich war in meinem geliebten Schweden, genauer gesagt auf dem dortigen Tantrafestival, in Ängsbacka. Eine Woche lang intensive tantrische Begegnungen, Workshops, Zeremonien und Gemeinschaft. Das alles in Bullerbü Atmosphäre und ca. 800 Teilnehmern aus allen Ecken der Welt.

Auf dem Festival gab es eine Band und deren Sänger war Fredrik Swahn. Fredrik war für mich sehr präsent auf dem Festival. Zum einen weil ich fast täglich seiner Musik lauschen durfte, zum anderen, weil er etwas ausstrahlte, dass auch aus seinen Texten leuchtet – reflektierte Lebenserfahrung.

Am Männertag des Festivals besuchte ich dann einen seiner Workshops und dort spielte er einen Song, der mir bis heute im Ohr geblieben ist und einen Teil in meinem tiefsten Inneren berührte. Er machte einem lange in mir getragenen Konflikt ein Friedensangebot.

Der Song, um den es geht heißt „If I could save you“ und handelt von einer Co-Abhängikeit in einer Beziehung. Fredrik singt dort den für mich so wertvollen Refrain:

If I could save You, I’d save You tonight
I know that Your worth it, your worth, but I –
Know that – You’re the only One who can rescue yourself
From that pain inside
But IF I could save you, I’d save You tonight

Frei ins deutsche übersetzt soviel wie:

Wenn ich dich retten könnte, würde ich dich heute Nacht retten. Ich weiß, dass du es Wert bist, du bist es Wert, aber ich weiß auch, dass du die Einzige bist, die sich von ihren inneren Verletzungen befreien kann. Aber wenn ich dich retten könnte, ich würde es heute Nacht tun.

Warum waren diese Zeilen für mich so wichtig? Ich habe in meinem Leben immer wieder Situationen erlebt, in denen ich mich bei meinen Hilfsversuchen für andere verausgabt und meine eigenen Kräfte nicht beisammengehalten habe. Das es sich dabei nicht um uneigennützige Hilfe handelte, habe ich mittlerweile erkannt und wird auch von Fredrik in der Zeile „I dont need your pain no more to hide from My own“ (Ich brauche deinen Schmerz nicht länger um mir meinen eigenen nicht anschauen zu müssen.) auf den Punkt gebracht.

Es gab/gibt diesen Teil in mir, der keine Traurigkeit, Verletzungen und Schmerz ertragen kann, der sich sofort verantwortlich fühlt, mitfühlt, ja teilweise auch mitleidet. Im Laufe meiner Bewusstseinsarbeit, wurde mir in verschiedenen Workshops, Therapien und Büchern immer wieder gespiegelt, dass ich das Muster eines klassichen Retters (negativ konotiert) habe. „Grenz dich ab!“, „Es ist nicht deine Aufgabe, dich um andere zu kümmern.“, „Du behinderst sein Wachstum.“ riefen sie.

Sie alle hatten mehr oder weniger recht, das wusste mein Verstand in mir sofort, aber was war mit dem Teil in mir, der in solchen Situationen ansprang und dann jegliches Maß verlor? Der fühlte sich verletzt, nicht gesehen und wenig gewertschätzt. Es fühlte sich für ihn so unmenschlich an, jemanden in scheinbar tiefster Not alleine zu lassen, ihn zurückzustoßen, abzuweisen. Im schlimmsten Fall noch innerlich hinterherzurufen „sei mir dankbar, ich erweise deiner Entwicklung gerade einen großen Dienst“. Kopf, Gefühl und Seele kamen nicht zusammen.

Und dann kam Fredrik. Sein Text schaffte die Verbindung. Ich konnte den Refrain aus vollem Herzen mitsingen, dieses „Sei dir versichert, wenn es in meiner Macht lege, dann würde ich dich retten, weil du es Wert bist.“  Und im Anschluss der Satz, der für mich zwischen den Zeilen mitschwingt „…aber es liegt eben vieles nicht in meiner Macht.“

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Fredrik Swahn, dass er mir die Erlaubnis gegeben hat, den Link zu seinem Video hier zu teilen und mir das Vertrauen entgegenbringt, dass ich diesen Text ohne nochmaliges gegenlesen mit Bezug zu seinem Song auf meiner Seite veröffentlichen darf.

Auf das nächste Mal in Ängsbacka lieber Fredrik.

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