Ehrlichkeit

Am Wochenende war ich in th.jpgmeiner alten Heimat Berlin, um mich weiterzubilden und habe einen Workshop bei Taber Shadburne und Jura Glo besucht. Der Titel des Workshops war „Revolutionary Relationship – Radical Honesty“. Es ging um Genauigkeit und Ehrlichkeit in der Sprache. Es handelt sowohl von Ehrlichkeit mit sich selbst als auch mit Anderen. Ich habe die Arbeit mit Taber als ein sehr kraftvolles Werkzeug erlebt und möchte gerne ein paar meiner Einsichten mit euch teilen.

Das gesprochene Wort ist auch in Zeiten von Whatsapp und Facebook Kommunikationsmittel Nummer eins. Wie wir es nutzen, definiert unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen und uns selbst. Wortwahl, Tonfall und Zeitpunkt des gesagten Wortes, haben einen großen Einfluss darauf, was beim Empfänger ankommt.

Wortwahl: Ich kann Sprache nutzen um eine Grenze zu errichten. Zum Beispiel, indem ich Termini benutze die dem anderen Fremd sind. Das ist in jedem Bereich der Fall. Jeder Beruf, jede Familie, jeder Trend und jede Gemeinschaft erschafft sich eine eigene Sprache und generiert so Insider und Outsider. Wer die Schlüsselwörter nicht drauf hat, wird als Nichtmitglied erkannt. Ich kann aber auch bewusst darauf verzichten und eine Sprache nutzen, die einfach klar und leicht verständlich ist oder ich gehe noch einen Schritt weiter und hole den Anderen in seiner Sprache ab, wenn ich mich zufällig auch in dieser auskenne.  Das schafft Vertrauen, Gemeinschaftsgefühl und überwindet die Trennung. Auch präzise kurze Formulierungen die den Kern einer Botschaft treffen schaffen Nähe. Wenn Kommunikation auf Floskeln, blumiges Ausschmücken, sich winden und wenden verzichtet, dann entsteht auf erstaunliche Weise, sehr schnell echte Nähe. Das muss nicht immer angenehm sein, denn Ehrlichkeit beinhaltet auch negative Dinge auf den Punkt zu bringen. Meine Erfahrung zeigt mir, dass entgegen landläufiger Meinung auch negative Dinge, nach einem vielleicht kurz entstehenden Distanzgefühl, sehr schnell, zu häufig sehr intensiver Nähe führen. Es braucht nur den Mut, dieses Erlebnis zuzulassen.

Tonfall: Dieser Punkt beinhaltet für mich neben Lautstärke, Schwingung und ähnlichem auch die Intention des gesagten. Der selbe Satz, kann unterschiedlich ausgesprochen, auf unzählige Weisen beim Gegenüber ankommen. Mir ist das 4 Ohrenmodell nach Watzlawick bekannt, wonach es auf den Zustand von Sender und Empfänger ankommt, wer was wann wie auffasst. Meine Erfahrung bei wirklich authentischer Kommunikation ist eine andere. Hier gibt es kein aneinander vorbeireden. Wenn etwas ehrlich präzise und mit klarer Intention formuliert wird, dann hat das eine unglaubliche Kraft und erreicht das Gegenüber auf einer so tiefen Ebene, dass keine Missverständnisse mehr möglich sind. Dann geht die Botschaft von Herz zu Herz und nicht von Mund zu Ohr.

Zeitpunkt: Auch der Zeitpunkt des gesagten spielt eine wichtige Rolle. Lasse ich die Worte des anderen wirken oder antworte ich ohne große Pause. Warte ich mit einer Entschuldigung Jahre oder kommt sie mir zeitnah über die Lippen. Hier gibt es natürlich Überschneidungen mit der Intention. Eine zeitnahe Entschuldigung hat selbstverständlich keine Kraft, wenn sie nicht ernst gemeint ist. Beim Zeitpunkt geht es aber auch darum, ob das gesagte eine Geschichte aus der Vergangenheit, eine Erwartung an die Zukunft oder etwas gerade präsentes aus dem Hier und Jetzt ist. Letzteres ist der Schlüssel zu noch mehr Nähe.

Werden alle 3 Ebenen berücksichtigt, kann Sprache in unglaublicher Geschwindigkeit Intimität und große Gefühle erzeugen. Die Augen beginnen zu Leuchten, das Energielevel und die Aufmerksamkeit steigt. Wenn Sprache zur gemeinsamen Meditation wird, dann kann man sich Stundenlang unterhalten ohne müde zu werden. Witziger Weise, ist das dann aber gar nicht mehr nötig , da in wenigen Sätzen ganze Lebensgeschichten vermittelt werden können.

Hab den Mut dich klar, ehrlich, präzise und mit dem was im Moment ist zu zeigen und du wirst gesehen werden.

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